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110 Jahre Bethaus Pongs – ein besonderer Grund Erntedank zu feiern

Als im Februar 1978 das schöne, geräumige Ev. Gemeindezentrum Rheydt-West an der Lenßenstraße seine Tore öffnete, gingen viele im Leitungsorgan der Ev. Kirchengemeinde Rheydt davon aus, das alte Ev. Gemeindehaus in Pongs, das traditionell „Bethaus Pongs“ genannt wird, hätte nun ausgedient und würde alsbald geschlossen und veräußert werden. Doch diese Rechnung, wer immer sie aufgestellt hatte, war ohne die Pongser gemacht worden. Es kam zum leidenschaftlichen Aufschrei, ja beinahe Aufstand, der im Presbyterium nicht missachtet werden konnte.

Pfarrer Kamp hatte die rettende Idee: der im Jahr 1931 gegründete „Kirchbauverein“, der nun seine ursprüngliche Aufgabe in Morr verloren hatte, mietete als „Ev. Bethausverein Rheydt-West“ im Jahr 1980 das Haus für den symbolischen Preis von 1 DM von der Kirchengemeinde und übernahm damit die Aufgabe der Trägerschaft. Das ist nun schon über vier Jahrzehnte her. Man muss mit Respekt und Bewunderung anerkennen, dass es dem Verein, der heute noch gut 150 Mitglieder hat, und der sich ausdrücklich als Teil der Gemeinde Rheydt versteht, bislang gelungen ist, diese nicht leichte Aufgabe zu stemmen.

Er lebt nämlich ausschließlich von den Mitgliedsbeiträgen sowie von mancherlei Spenden und Erlösen, die aus der Gemeinde eingeworben sowie durch Feste und Basare gewonnen werden. Sein größtes „Kapital“, das war über all die Jahre hinweg der große ehrenamtliche Einsatz des Vereinsvorstandes und vieler Vereinsmitglieder – auch bei der baulichen Unterhaltung des Hauses. Seit etlichen Jahren übt Dr. Manfred Romich das Amt des Vorsitzenden des Bethausvereins umsichtig und verantwortungsvoll aus.

Der „Betsaal“, wie es auch hieß, war im Jahr 1911 – auch dank vieler Spenden – von dem Architekten Otto Karl Hollweg errichtet worden. Der Sonntagschule und den Kreisen, die es in der Honschaft seit dem 19. Jahrhundert gab, sollte damit eine eigene Heimstätte geben werden. Sie hatten sich bis dahin in Privatwohnungen getroffen. Ansonsten mussten die Gemeindeglieder – wie auch danach noch beim Besuch der Hauptkirche – zu Fuß zum 1943 zerstörten Gemeindehaus an der Limitenstraße gehen. Nun aber durfte die Pongser Sonntagschule, der „Strickverein“ (später Frauenkreis) und der „Gemischte Chor Pongs“ endlich im eigenen Domizil Gottes Wort hören und den HERRN loben.

Bis weit in meine Dienstzeit hinein spielten diese drei „Säulen“ des Gemeindelebens in Pongs eine große Rolle. Heute blüht davon nur noch die Sonntagschule, unser großartiger von tüchtigen Helferinnen und Helfern liebevoll vorbereiteter Kindergottesdienst Rheydt-West. Allerdings kam noch das monatliche „Seniorenfrühstück“ dazu, das vor der Corona-Zeit so beliebt war, dass schon fast über Aufnahmestopp nachgedacht wurde. Auch fanden in den 110 Jahren Gottesdienste, Amtshandlungen, Veranstaltungen des „Heimatvereins Pongs e.V.“, sowie Konzerte und unzählige Familieneiern dort statt. „Pray’sis“, das beliebte Gospelensemble, lernte in seinen Anfängen ohne Mikroanlage zu singen, weil die Sicherung rausflog…

Die gelungenen „Bethausfeste“ wechselten sich ab 1993 mit Gemeindefesten in der Lenßenstraße ab, wobei erstere wegen der besonderen Atmosphäre des alten Hauses und auch des romantische Gelände „drumrum“ besonders beliebt waren und sind. Das jüngste Bethausfest im Jahr 2018 stand unter dem Motto „Lieder der Völker“. Es wird mir unvergesslich bleiben! Unsere aus dem Iran, Afghanistan und Bangladesh geflüchteten Gemeindeglieder wirkten unter anderen musikalisch mit. Alle erfuhren so den völkerverbindenden und kulturübergreifenden Charakter von Musik. Für mich erfüllte sich so, was bei Jesaja (56,7) geschrieben steht: „Mein Haus wird ein Bethausheißen für alle Völker.“

Das unmittelbar neben dem Bethaus gelegene waldartige Außengelände hat heute im Rahmen unserer Jugendkirche Rheydt als sogenanntes „Naturprojekt“ die bedeutsame Aufgabe, in Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für den Reichtum der Schöpfung Gottes aber auch für die Aufgabe ihrer Bewahrung zu wecken. Dafür tragen Renate Wasel und Susanne Mainka Verantwortung. Hier bereiten sie für unsere jüngsten Gemeindeglieder auch Ferienspiele vor, die immer wieder rund um das Bethaus stattfinden.

Ich selbst betrat das Bethaus – noch vor meiner Einführung in die 4. Pfarrstelle am 3. November – im Oktober 1991 zum ersten Mal. Pfarrer Luckenbach hatte mich eingeladen, den von der Sonntagschule mitgestalteten Festgottesdienst zum 80jährigen Bestehen des Bethauses mitzuerleben. Mich beeindruckte damals schon die lebendige Atmosphäre und auch der geistliche Tiefgang. Mein lieber Vorgänger im Amt legte mir bei seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst auch ans Herz, die Arbeit in Pongs fortzuführen und ebenso die Kasse des Bethausvereins durch Gaben aus der Gemeinde „immer gut zu füttern“. Ich empfinde dieses Versprechen, das ich seinerzeit gab, auch heute noch als bindend. So Gott will, werde ich mich auch über meine Dienstzeit hinaus in Pongs engagieren.

Inzwischen sind 30 Jahre vergangen. Immer noch ist der Gemeindestandort Pongs in meinen Augen unverzichtbar. Das Bethaus, auch wenn uns derzeit zwei größere Bauschäden bekümmern, wird immer noch für den Gemeindeaufbau und als Versammlungsstätte der Pongser Bürgerschaft gebraucht. Die jüngste Stadtentwicklung unterstreicht das durch die Erschließung neuer Wohngebiete in unmittelbarer Nähe.

Wird der Bethausverein mit seiner schwindenden Mitgliederzahl weiterhin die Trägerschaft leisten können? Da die nun dringend notwendige Beseitigung der Schäden an der Dachgaube und am Balkon die finanzielle Leistungskraft jetzt schon übersteigt, hat das Presbyterium zugesagt in diesem Fall beizuspringen, damit das Haus funktionsfähig bleibt. Herzlichen Dank dafür!

Die Absicht meiner Ausführungen ist – neben der dankbaren Rückschau – auch Interesse in und außerhalb der Kirchengemeinde zu wecken, sich weiterhin mit vereinten Kräfte dafür zu engagieren, dass dieses reizvolle Ensemble neben dem Pongser Wäldchen erhalten bleibt. Dafür braucht es Menschen, die sich mit guten Ideen und geschickten Händen einbringen oder die bereit sind finanziell etwas abzugeben, damit ausreichend Geldmittel zur Verfügung stehen, das Bethaus Pongs zu pflegen.

Darf ich in diesem Zusammenhang etwas sehr Persönliches erbitten? Am 3.11.2021 begehe ich mein 30jähriges Ortjubiläum als Pfarrer in Rheydt. Zwei Jahre vor der Pensionierung wird das nicht gefeiert. Wer mir aber dennoch eine Freude machen möchte oder vielleicht auch Anerkennung bekunden will, der oder die möge dem Bethausverein als Mitglied beitreten – für einen Jahresbeitrag von 12 € – oder eine kleine Spende überweisen unter dem Stichwort „Jubiläum Bethaus“. Die Kontonummer des Ev. Bethausvereins Rheydt-West e.V. ist: Stadtsparkasse MG, IBAN DE 16 31050000 0000 176750.Das würde mich sehr freuen!

Gefeiert wird am Erntedanktag, das ist der 3. Oktober 2021, um 10.30 Uhr im Bethaus Pongs, Pongserstraße 229. Die Festpredigt wird unser scheidender Krankenhauspfarrer Peter Brischke halten, dem das Bethaus ebenfalls am Herzen liegt. Je nach Wetterlange werden wir die Möglichkeit haben, draußen unter einem Zeltdach zu feiern. Im Anschluss an den Gottesdienst und die Grußworte, über die wir uns freuen, werde ich Lichtbilder aus der Geschichte des Hauses zeigen. Sie bezeichnen neben den vielen persönlichen Erinnerungen der Menschen die Spuren des reichen Segens Gottes, der immer wieder auf dieser Gottesdienst- und Versammlungsstätte gelegen hat, seitdem sie im Jahr 1911 ihre Türen öffnete.

Pfarrer Olaf Nöller

Bitte im Kasten:

Erntedankfest in Pongs zum 110jährigen Bestehen des Bethauses

Sonntag, den 3. Oktober 2021 um 10.30 Uhr, Pongser Straße 229

Liturgie: Pfarrer Olaf Nöller

Predigt: Pfarrer Peter Brischke

Wir freuen uns über schöne Gaben für den Erntedanktisch!