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Wochenspruch Matthäus 20,28

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.

Der fünfte Sonntag der Passionszeit trägt den lateinischen Namen Judika. Das ist der Beginn des 43. Psalms in lateinischer Sprache. Dort heißt es übersetzt: „Schaffe mir Recht, Gott, (…) und errette mich von den falschen und bösen Leuten!“

Um Rettung geht es, um Hilfe. Gott soll denen, die Unrecht erleiden, Recht verschaffen.

Nun ist die Bitte: „Schaffe mir Recht, Gott (…)“ unter Umständen eine risikoreiche Angelegenheit. Wenn ich Gott darum bitte, mir Recht und Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muss ich mir unter Umständen sagen lassen, dass ich selbst zu den falschen und bösen Leuten gehöre, vor denen andere um Rettung flehen.

So trage ich schon durch meinen Lebensstil in nicht unerheblichem Maße Verantwortung für geschehendes Unrecht. Nehmen wir mal nur den CO2-Fußabdruck oder die neue Batterie in meinem Auto, deren Lithium aus einer Mine in Südamerika, Australien oder China unter umweltgefährdenden und -zerstörenden Bedingungen abgebaut wird. Für den Lithiumabbau wird sehr viel Wasser gebraucht, das zum Teil noch kontaminiert wird und den Wildtieren und Farmern fehlt. So trocknen z.B. Wasserstellen in der Hochwüste Puna aus. Vor Ort sind die Folgen des Lithiumabbaus ähnlich gravierend wie die Folgen des Braunkohleabbaus in unserer Region. Ich hoffe zwar, dass mein Lithium aus einem weniger umwelt-belastenden Abbaugebiet kommt, wissen tue ich es aber nicht. Mit Ökostrom betrieben, leiste ich mit dem E-Auto zumindest einen Beitrag zu saubererer Luft in Mönchengladbach. Und doch stecke ich fest in globalen Zusammenhängen von Schuld und Unrecht. Wenn ich jetzt bete: „Schaffe mir Recht, Gott (…)“, frage ich mich doch: Wie stehe ich mit alle dem eigentlich vor Gott da, der mich zur Nächstenliebe, zur Bewahrung der Schöpfung und zur Ehrfurcht vor dem Leben selbst auffordert?

Dieses Dilemma von Recht und Unrecht ist nicht aufzulösen. Auch die Frage nach Macht bzw. Herrschaft und Ohnmacht schwingt mit: Wer bestimmt über mein Leben? Und über wessen Leben oder Lebensqualität bestimme ich durch mein Verhalten mit?

Der Wochenspruch zum Sonntag „Judika“ zeigt eine ungewöhnliche Perspektive auf: Er richtet unseren Blick auf Jesus Christus selbst, der von sich sagt:

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

So also schafft Gott Recht: Er setzt sich selbst ins Unrecht. Er springt in die Bresche, dient, statt zu herrschen. Er liefert sich den „bösen und falschen Leuten“ aus und gibt sein Leben, statt das Leben anderer zu fordern. Er durchbricht den Teufelskreis aus Macht und Gewalt, Bosheit und Falschheit und überwindet das Böse. Das ist unbegreiflich und nicht zu fassen. Und doch hat es der Ostermorgen gezeigt: Christus ist wahrhaftig der Gewalt des Bösen und der Macht des Todes entronnen. Im Glauben an Christus und in der Gemeinschaft mit ihm gilt das auch uns.

So macht Gott, dass wir Hoffnung haben auf Leben in Fülle, auf Gnade und Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit. Da sollte es uns, die wir auf so unverdiente Weise von Gott „ins Recht gesetzt“ und errettet sind, doch gelingen, Dienerinnen und Diener des Lebens zu sein. Menschen, die in die Bresche springen, wenn anderen Unrecht widerfährt; Menschen, die ihren Nächsten dienen, die Lebenszeit schenken, wo andere nur Zeit für sich fordern; Menschen, die Gott, dem Schöpfer und Vater aller Menschen, die Ehre geben und Jesus lieben – solche Menschen braucht die Welt.

Gebet:
Barmherziger Gott, ich danke dir für deine große Liebe und Barmherzigkeit und bitte dich: Gib mir Kraft, dass ich mich in deiner Nachfolge bewähre! Mache mich unbeirrbar in der Liebe und in der Geduld! Lass mich treu sein in den großen und kleinen Dingen meines Lebens! AMEN

Pfr. Dietrich Denker