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DIE NÄCHSTEN TERMINE
9.30 Uhr Gottesdienst in der Lutherkirch
Sun, 13.06.21 - 09:30 Uhr /
10.30 Uhr Gottesdienst in der Hauptkirch
Sun, 13.06.21 - 10:30 Uhr /
11.00 Uhr Gottesdienst in Rheydt-West
Sun, 13.06.21 - 11:00 Uhr /
18.00 Uhr ökumenisches Friedensgebet in
Wed, 16.06.21 - 18:00 Uhr /

Wochenspruch Lukas 10,16a

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Jesus sendet im Lukasevangelium 72 Jünger aus, um seine Botschaft zu verkünden. Und er versieht sie mit einem guten Selbstbewusstsein. Wer Euch hört, hört mich. Und wer Euch verachtet, der verachtet mich. Das ist eine erhebliche Stärkung für die Jünger und ein gutes Zeichen des Vertrauens, das Jesus in die Jünger (und vielleicht auch Jüngerinnen) setzt. Nun sollte man vorsichtig sein, das direkt  zum Motto der christlichen Gemeinde heute oder gar eines Pfarrkonventes zu machen. Die Adaption heiliger Schriften zur Stärkung des eigenen Sendungsbewusstseins ist oft eine Falle. Dass es unsere Aufgabe als christliche Kirche ist, die Botschaft Christi weiterzutragen, sollte sicherlich auf der Hand liegen. Damit ist aber keineswegs verbürgt, dass wir das auch stets so tun, dass Jesus Christus wirklich durch uns hörbar wird. Keineswegs darf man vorschnell den Schluss ziehen, dass die Verkündigung der Kirche (der Christen, der Pfarrer, der Bischöfe, was auch immer…) allein deswegen Jesus hörbar macht, weil sie Kirche ist. Jesus hat keine Kirche gegründet. Und es liegt auch nicht nahe, dass er jemals diese Absicht hatte. Ob Jesus durch die Menschen der Kirche hörbar wird, bemisst sich an dem, was sie zu sagen haben, und an der Wirkung, die es auslöst.
 
Noch fataler wäre es, wenn wir aus der Ablehnung der Kirche oder kirchlicher Botschaften durch Menschen ableiteten, dass diese Menschen auch Jesus oder Gott fern wären. Uns steht es nicht zu, das zu entscheiden. Dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland die Kirche inzwischen eher als belanglos und ihre Botschaft als überflüssig ansieht, sollte uns eher selbst zu denken geben… Am abwegigsten wäre es aber, zu denken, dass die Botschaft des Evangeliums nur in der Kirche, nicht aber auch außerhalb der Kirche und sogar jenseits von ihr zu hören wäre. Der Geist weht, wo er will.

Ich habe vor kurzem das Buch eines amerikanischen Philosophen gelesen. Dieser Philosoph, Michael Sandel, spricht sich dafür aus, dass sich das Denken der Gesellschaft radikal vom Gedanken der Leistungsgerechtigkeit verabschieden solle, weil Erfolg bei tieferem Nachdenken nie auf Leistung, sondern stets auf dieser Leistung vorausliegenden geschenkhaften Voraussetzungen beruhe. Dabei bezieht er sich spannenderweise explizit auf die Theologie und speziell auf Luther. Er schreibt auch, dass dieser Gedanke bei den ausgewählten Studierenden seiner Eliteuniversität zumeist erstmal schlecht ankommt… Tjaja…

Die Lektüre dieses Buches hat mir Mut gemacht. Denn ich konnte feststellen, dass sich die Botschaft des Evangeliums, dass der Mensch sein Leben verdankt und nicht selbst erschafft, offenbar auch jenseits der Kirche weiterverbreitet.

Deswegen mache ich mir zunehmend  weniger Sorgen um die Kirche. Das Evangelium findet schon seinen Weg. Auch ohne die Kirche. Und wenn es in den(recht behaglichen) Hütten der Harvard University unterkriecht.